Der Kampf um die Schulen - Tauziehen zwischen den Kommunen

CDU hält am gegliederten System fest - räumt aber Versäumnisse ein

Auf einem schulpolitischen Forum der CDU-Kreispartei referierten am Montagabend Astrid Birkhahn, Klaus Kaiser und Bernhard Recker über das neue Schulkonzept der CDU, das sich gegen Gemeinschaftsschulen wendet. Fotos: (Pixelio/Hartleb)
Auf einem schulpolitischen Forum der CDU-Kreispartei referierten am Montagabend Astrid Birkhahn, Klaus Kaiser und Bernhard Recker über das neue Schulkonzept der CDU, das sich gegen Gemeinschaftsschulen wendet. Fotos: (Pixelio/Hartleb)
Kreis Warendorf - Im Hochsauerlandkreis hat Klaus Kaiser den Schulkampf vermeiden können, der im Kreis Warendorf wohl noch droht, nachdem die Stadt Drensteinfurt den Antrag für eine Gemeinschaftsschule bereits gestellt hat. Der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion war am Montagabend zu Gast auf dem Forum zur Schulpolitik der Kreis-CDU in Sendenhorst.

„Wir sind für Vielfalt“, fasste Kaiser die CDU-Grundsätze für eine neu konzipierte Schulpolitik zusammen, die auf dem Landesparteitag am 12. März verabschiedet werden sollen. In den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen die Christdemokraten die Verbundschule - im Unterschied zur rot-grünen Landesregierung, die die Gemeinschaftsschule favorisiert.

Zuvor hatte Bernhard Recker, CDU-Landtagsabgeordneter aus Ahlen, selbstkritisch festgestellt, dass die schwarz-gelbe Vorgängerlandesregierung diesen Schultypus zu wenig forciert habe. Die beiden im Kreis bestehenden Verbundschulen in Everswinkel und Ostbevern zeigten, dass sie modellhaft sein könnten. Recker bedauerte, dass die rot-grüne Regierung dabei sei, in der Schulpolitik alles auf links zu drehen, was die Vorgängerregierung eingeführt hat: die Kopfnoten abschaffen, die Schulbezirksgrenzen wieder einführen und die Verbindlichkeit von Schulempfehlungen aufheben. Er habe allerdings Verständnis für Bürgermeister, so der Abgeordnete, die „aus Sorge um den Bestand ihrer Haupt- und Realschule auf den Gemeinschaftsschulzug aufspringen“.
Recker räumte ein, dass die CDU die Folgen der demografischen Entwicklung nicht ernst genug genommen habe. Die zeigen nämlich, dass bis 2019 etwa 14 000 Klassen wegfallen. Was unterm Strich das Aus für 600 Schulen bedeutet, wie Prof. Thomas Sternberg, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, errechnet hat.
Kaiser machte allerdings deutlich, dass das von Schulministerin Löhrmann ausgegebene Ziel, 30 Prozent der Schulen im Land in Gemeinschaftsschulen umzuwandeln, die Schließung von 1800 Schulen bedeutete. „Dann kippt das ganze System“, warnte der CDU-Schulpolitiker. Damit stände auch das Gymnasium zur Disposition. „Wir wollen auch weiterhin ein grundständiges Gymnasium“, unterstrich Kaiser. Wer die Hand daran lege, riskiere einen Schulkampf, sagte Kaiser, und verwies auf entsprechende Umfragen unter den Eltern.
Landtagskollegin Astrid Birkhahn unterstrich die Bedeutung eines neu einzuführenden gemeinsames Lernjahres von Kindern im Kindergarten und in der Grundschule als Vorbereitung auf die Schule. Bei der frühkindlichen Bildung gebe es Handlungsbedarf.
In der Aussprache warnte Landrat Dr. Olaf Gericke im Hinblick auf die Integration von Behinderten (Inklusion) in den normalen Schulbetrieb, „unsere Förderschulen schlecht zu reden“. Sie seien im Kreis bestens ausgestattet und leisteten gute Arbeit.
 
VONDIERK HARTLEB

Bericht aus den "Westfälischen Nachrichten" vom 16.02.11
 
 

Inhaltsverzeichnis
Nach oben